| Frau |
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| Drei Personen begeben sich auf die Suche
nach dem Leben einer Frau. Eine Schauspielerin, ein Musiker, ein Schauspieler.
Sie finden Gedichte, Lebensspuren, Briefe. Gertrud Kolmars (1894 1943)
erster Gedichtband erscheint, zwar positiv rezensiert, aber weitgehend
unbeachtet im Kriegsjahr 1917. Sie beginnt als Dolmetscherin und Erzieherin zu
arbeiten. Unabhängig will sie sein, bis sie sich durch das Schreiben
ernähren kann. Dass es Männer in ihrem Leben gab, wissen nur wenige.
Unter Kuratel der Eltern ist an der Dreiundzwanzigjährigen ein
Schwangerschaftsabbruch vorgenommen worden. Eine ledige Mutter wäre in der
Familie Chodziesner ein Skandal gewesen. |

Berlin-Lichtenberg, das Gelände der
ehemaligen Epeko: hier waren deutsche Juden, Sinthi und ausländische
Zwangsarbeiter beschäftigt. Gertrud Kolmar berichtet in Briefen von ihrer
gesundheitsschädigenden und schlecht entlohnten Arbeit dort 1941 -
42.
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Jüdin |

Das Haus der Familie Chodziesner, in dem
Gertrud Kolmar von 1923 bis zur Zwangsenteignung 1939 mit ihrem Vater
lebte.
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Diese frühe psychische
Misshandlung einer weiblichen Seele ist prägend für den weiteren Weg
der Jüdin und Preußin. Sie geht ihn in jener Mischung aus
demütiger Aufopferung und eiserner Selbstdisziplin. Gertruds Chance, sich
zur anerkannten Dichterin zu entwickeln und ihr Leben unabhängig zu
gestalten, wurde zunächst durch das eiserne Korsett des wilhelminischen
Bürgertums verhindert. Als es sich durch die Weimarer Republik hätte
lockern können, war es für sie schon zu spät. Sie schaut in den
Spiegel, zu früh ist sie in der Sorge um andere alt geworden. Den
Dolchstoß versetzte ihr die nationalsozialistische Diktatur. |
| Dichterin |
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| Ich bin eine Dichterin, ja, das
weiß ich, schreibt sie selbstbewusst. Beim Erscheinen ihres zweiten
Lyrikbandes sind die Nazis bereits an der Macht. Der dritte Band, Die Frau und
die Tiere, wird 1938 verboten und eingestampft. Die Geschwister fl üchten
in alle Welt, andere Familienmitglieder werden ermordet. Der Vater wird mit 81
Jahren nach Theresienstadt deportiert. Er stirbt im Februar 1943. Die
Todesnachricht erreicht seine Tochter nicht mehr. Es ist zu spät für
sie. Alle Grenzen sind zu. |

Berlin-Lichtenberg, das Gelände der
ehemaligen Epeko: hier waren deutsche Juden, Sinthi und ausländische
Zwangsarbeiter beschäftigt. Gertrud Kolmar berichtet in Briefen von ihrer
gesundheitsschädigenden und schlecht entlohnten Arbeit dort 1941 -
42.
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Deutsche |

Gedenktafel am Haus der Familie Chodziesner, in
dem Gertrud Kolmar von 1923 bis zur Zwangsenteignung 1939 mit ihrem Vater
lebte.
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Die Suchenden finden und
spielen Bruchstücke einer weiblichen Biografie, die noch vom
wilhelminischen Preußen geprägt wurde. Gertrud, die lieber eine
gefährliche, sich nächtlich in Tiere verwandelnde Drude wäre,
ist nur Trude, die liebe Tante, Tochter, Schwester. Aber sie hat den Raum der
Dichterin, den Raum für sich allein. Die Musik von Michael Bauer
spürt diesen Raum auf, das Violoncello von Jost-H. Hecker (Modern String
Quartet) findet die Einsamkeit der Gertrud Kolmar, entdeckt Töne für
leidenschaftliche, nie gelebte Gefühle, findet Noten für
Unaussprechliches, Martina Maria Reichert und Robert Valentin Hofmann fi nden
Worte und Gesten für eine, die zum Schweigen gebracht wurde. |
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